In Lehre und Forschung war Prof. Wiemers als Wegbereiter für das Fach der Anästhesiologie prägend tätig. Prof. Wiemers verstarb am 14.02.2006 in Denzlingen bei Freiburg

Erläuterung zum Laryngoskop

Freiburger Modell nach Prof. Dr. K. Wiemers

Gewöhnlich ist die Einführung eines Endotrachealtubus mittels direkter Laryngoskopie technisch kein Problem, sofern der Patient tief genug narkotisiert und komplett relaxiert ist; bei abnormen anatomischen Verhältnissen ist sie aber auch für den Erfahrenen schwierig und gelegentlich unmöglich. Der Spatel des Laryngoskops sollte deshalb nicht nach den Abmessungen des Bevölkerungsdurchschnitts geformt sein, sondern für schwierige Fälle möglichst gute Bedingungen bieten. Darüber hinaus sollte ein und derselbe Spatel bei Individuen verschiedener Körpergröße (bzw. bei Kindern über eine möglichst große Altersspanne) verwendbar sein.

Unter diesen Gesichtspunkten sind folgende Details von Bedeutung

  • Länge des Spatels: Wegen des rechtwinklig (oder auch spitzwinklig) angesetzten Griffs kann ein zu kurzes Laryngoskop nicht tief genug eingeführt werden, während ein "zu langer" Spatel ohne weiteres auch bei kleinen Individuen verwendbar ist, sofern der vordere Teil nicht zu plump und die Lichtquelle nicht zu weit hinten angebracht ist; es ist dann unwesentlich, wie weit die Basis des Spatels sich außerhalb des Mundes befindet.
  • Breite des Spatels. Eine Verjüngung zur Spitze ist zweckmäßig, damit der vordere Teil auch in einem engen Rachen Platz findet; die Verbreiterung der Basis erleichtert es, die Zunge zurückzuhalten. 
  • Höhe des Spatels, die der Öffnung des Mundes entspricht: Ein flacher Spatel lässt sich zwar bei kompletten Frontzähnen, bei unvollständiger Relaxation oder Kiefersperre leichter einfuhren; mit einem hohen Spatel läuft man in diesen Fällen Gefahr, die Frontzähne zu verletzen, hat aber normalerweise den Vorteil, dass die Zunge sich leichter aus der Blickrichtung nach links abdrängen lässt.  Das Optimum liegt zwischen 1,0 und 1,5 cm, also bei einer Höhe, die es noch gestattet, einen Endotrachealtubus mit dem üblichen Durchmesser einzuführen. 
  • Biegung des Spatels: Mit einem geraden Spatel muss man die Epiglottis unterfahren und anheben, um die Stimmritze sichtbar zu machen; mit dem kreisbogenförmigen Spatel nach Macintosh wird der Kehldeckel angehoben, indem man die abgerundete Vorderkante des Spatels am Frenulum epiglottidis einsetzt und den Spatel (bei liegendem Patienten) deckenwärts anhebt. Man darf aber fragen, ob es zweckmäßig ist, hierzu dem ganzen Spatel eine Kreisbogenform zu geben, wo doch das Auge nur in gerader Richtung blicken kann. Tatsächlich sind eigentlich nur die Patienten problematisch, bei denen sich Mundöffnung, Zungengrund und Kehlkopfeingang nicht in eine Gerade bringen lassen.